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FEHLFARBEN > Neue Deutsche Welle  |  New Wave
12/05/2017 - Leipzig - Täubchenthal
Performing Artists:

Fehlfarben
Kreuzer präsentiert:

„Monarchie und Alltag“:
Die Band Fehlfarben bringt ihr legendäres Album auf die Bühne

Es gab eine Zeit, da war Düsseldorf für ein paar Jahre das Zentrum der deutschen Popmusik. Hier entstand der deutsche Punk, der die Neue Deutsche Welle nach sich zog. Eine Schlüsselrolle in dieser Zeit des musikalischen Aufbruchs spielte die Band Fehlfarben. Gut 36 Jahre ist das alles her. Fehlfarben gibt es immer noch. Ihr legendäres Album „Monarchie und Alltag“ (1980), Jahre später von der Musikzeitschrift Rolling Stone als wichtigstes deutschsprachiges Album eingestuft, war zu keinem Zeitpunkt jemals out of print. Jetzt geht die Band erneut auf Tournee. Sie bringt das Zeitgefühl der 80er auf die großen Bühnen und spielt erstmals alle elf Songs von „Monarchie und Alltag“ in einem Konzert. „Monarchie und Alltag“ – was für ein Titel für eine epochemachende Punk-Platte! Fragt man den Gitarristen Thomas Schwebel, was es mit diesem Namen auf sich hat, folgt eine unerwartete Begründung: Mitglieder der Band hätten damals einen Jahrmarkt besucht. Dort habe es ein Panoptikum gegeben, das damit warb, Köpfe aus „Monarchie und Alltag“ zur Schau zu stellen. Diese Gegenpole hätten ihnen gefallen. Denn auch die Songs der Band spannen einen Bogen. Es passte alles zusammen Wenn man das, was da Ende der 70er-Jahre begann, an einem fixen Punkt festmachen will, dann ist das eine triste Musikkneipe am Rande der Düsseldorfer Altstadt. Dort, im Ratinger Hof, trafen sich all jene, denen die Popmusik der Zeit zu gelackt erschien und die etwas eigenes machen wollten. Zum Stammpublikum gehörten viele, die im deutschen Musikbusiness durchstarteten, darunter Musiker, die später in Bands wie Deutsch Amerikanische Freundschaft und Die Toten Hosen Furore machten. In einem Artikel unter dem Titel „Geschichte wird gemacht“ (ein Zitat aus einem Fehlfarben-Song) brachte es Harald Hordych in der Süddeutschen Zeitung einmal so auf den Punkt: „Der (Ratinger) Hof wurde in einer politisch aufgeheizten Atmosphäre, wo die Zeichen in Kunst und Gesellschaft auf Protest und Verweigerung standen, zum Treffpunkt musikalischer Herumtreiber, die neue Tonattacken suchten.“ Die Jungs um Sänger Peter Hein von Fehlfarben bzw. deren Vorgängerband Mittagspause gehörten zu diesen Suchenden, die seit den späten 70ern mit Freude „gegen die Regeln der etablierten Rock- und Popmusik lossägten“ (Hordych). Damals, in der Endphase der Sozialliberalen Koalition vor Beginn der Ära Helmut Kohl, grassierte die Angst vor einem Atomkrieg. Hinzu kam ein weit verbreitetes Gefühl, es müsse alles irgendwie anders werden. Auch die Musik. „In den 70er-Jahren war die Musik immer abgehobener geworden“, erinnert sich Thomas Schwebel. „Wir dachten: Mach einfach! Denk nicht so viel. Leg los. Du kannst drei Akkorde spielen, dann gründe eine Band, aber sing auf Deutsch.“ Diese unter den Düsseldorfer Musikern weit verbreitete Grundeinstellung habe auch auf die Bildende Kunst übergegriffen. Schließlich war es vom Ratinger Hof zur Düsseldorfer Kunstakademie nur ein kurzer Weg. Mach einfach und mach es nicht so kompliziert! Finde deinen eigenen Weg! „Punk zelebriert auf finale Weise den Outsider, die gerupfte Gestalt im Regen“, hat Michael Gross einmal treffend formuliert. So hat das, was einst in jener inzwischen längst abgerissenen Düsseldorfer Musikkneipe begann, weite Kreise gezogen und ist nie ganz abgeebbt, wenngleich sich die populäre Musik dann sehr vielfältig entwickelt hat. In den über dreieinhalb Jahrzehnten nach Veröffentlichung von „Monarchie und Alltag“ ist die Band nie in Vergessenheit geraten. Ihr berühmtes Album wurde immer wieder neu aufgelegt und kontinuierlich weiter verkauft, bis 21 Jahre nach Erscheinen die 250.000 Stück erreicht waren, die man für eine Goldene Schallplatte braucht. Davon habe 1980 keiner von ihnen zu träumen gewagt. Ziel waren 5.000 Stück. Denn schon damit wären die Musiker von Fehlfarben die Helden der überschaubaren Szene gewesen. Nie in Vergessenheit geraten Nicht allein die Lieder von „Monarchie und Alltag“ lebten nach 1980 weiter, sondern auch die Band. Zwar gab es mehrfach jahrelange Auftrittspausen und Phasen der Funkstille zwischen den weit verstreut lebenden Musikern, doch man fand immer wieder zusammen, gab neue Alben heraus und trat gemeinsam auf, seit 2002 so viel wie nie zuvor. Und das, obwohl die Punksongs von Fehlfarben praktisch nie im Radio gespielt wurden. Lediglich „Es geht voran“ sei auf dem Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle kurzzeitig als Single-Auskopplung in den Radiocharts gewesen. Lebendig geblieben sei die Band durch ihre Auftritte, vor allem aber durch die Wertschätzung ihrer Fans, die Fehlfarben offenbar mit dem Lebensgefühl ihrer Jugendzeit verbinden. Jetzt geht Fehlfarben mit dem Konzertveranstalter Meistersinger fast in Original-besetzung auf Tournee durch große Hallen und Theater. Erstmals bringt die Band dabei an einem Abend alle elf Lieder ihrer Platte auf die Bühne – ergänzt um etliche weitere Songs von späteren Tonträgern. Damit folgt man einem Konzept, das auch international bekannte Interpreten gern anwenden, zum Beispiel Lou Reed mit „Berlin“ oder Patti Smith mit „Horses“, die beide auch gerne einmal ein komplettes Album live durchspielen. Und so gibt es nun eine Wiederbegegnung mit Songs, an die sich viele erinnern und von denen mancher vielleicht noch Text-Fragmente im Kopf hat. So zum Beispiel die berühmten Zeilen: „Was ich haben will, das krieg ich nicht, und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht“ aus dem erklärten Lieblingslied der Band „Paul ist tot“. Diese Textpassage habe ihnen Mitte der 80er-Jahre eine DDR-Tour vermasselt, erzählt Schwebel. Als man damals bei der Ständigen Vertretung der DDR in der Bundesrepublik eine Tournee-Erlaubnis beantragte, mussten auch die Texte eingereicht werden. „Und diese zwei Zeilen gingen aus Sicht der SED natürlich gar nicht.“ Wer jetzt wissen will, wer der in dem Songtitel angeführte tote Paul eigentlich war, erhält eine profane Antwort: „Paul“ war der Flipper-Automat im Ratinger Hof, der eines Tages verschwunden war. Alles nach Punk-Art: eben ganz einfach. Das beim Publikum zweifellos bekannteste fehlfarbige Lied trägt den Titel „Ein Jahr (Es geht voran)“. Der Song wurde aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen zur Hymne der Hausbesetzer in der Hamburger Hafenstraße und anderswo im Lande.
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